Soziale Phobie: Wie ich sie überwunden habe (und eine Anleitung für Dich)

Der Grat zwischen Schüchternheit und einer sozialen Phobie ist sehr schmal und ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass dies ein sensibles Thema ist.

Ich nehme gleich eines vorweg: Ich bin nicht dafür ausgebildet, bei schweren Ängsten beraten zu dürfen und schreibe diesen Artikel allein aus meiner eigenen Erfahrung heraus. Trotzdem gebe ich Dir Ratschläge mit auf den Weg, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe und von denen ich überzeugt bin, dass Du damit eine soziale Phobie überwinden kannst.

Wieso ich über eine soziale Phobie schreibe

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann weiß ich nicht, ob ich eine soziale Phobie hatte. Ich glaube aber schon. Denn genau so hatte es sich damals angefühlt. Ich habe sie mir nur nie diagnostizieren lassen.

SelbsthilfeIch hatte oft die Situation, dass ich mich in normalen sozialen Interaktionen eben nicht normal fühlte. In gewöhnlichen Gesprächen mit anderen Menschen fiel es mir schwer, Blickkontakt aufzubauen, meine Gedanken kreisten um meine Angst und nicht um die Gesprächsthemen, ich kam ins Schwitzen und mein Herz schlug schneller.

Und das sind alles Symptome einer sozialen Phobie.

Um diesem Dilemma zu entkommen hatte ich mir auch eine gute Strategie zurechtgelegt: Ich habe mich einfach betrunken. Das hat in vielen Situationen super funktioniert.

Wenn ich beispielsweise auf einer Party war und von anderen Menschen umgeben war und mir mal wieder die Angst zu Kopf stieg, bin ich einfach an die Bar gegangen, um mir einen Drink zu holen. Das hatte mehrere Vorteile: Erstens hatte ich dann einen guten Grund die Situation verlassen zu können und zweitens konnte ich durch den Alkohol meine Ängste unterdrücken.

Langfristig war das natürlich keine gute Strategie und hat mein Problem auch nicht gelöst.

Aber ein kurzer Einschub an dieser Stelle: Ich habe gerade einige Symptome einer sozialen Phobie angesprochen. Darauf möchte ich noch weiter eingehen.

Symptome einer sozialen Phobie

Da wären zum einen die körperlichen Reaktionen, die direkt in den ängstlichen Situationen auftauchen. Dazu gehören:

– Herzrasen

– starkes Schwitzen

– Aufsteigende Hitze im Körper

– Zittern und Unruhe

– Schwierigkeiten, Blickkontakt aufzubauen

– Erröten

– Oder auch Durchfall

Hinzu kommen Gedanken, die es einem schwierig machen ein normales Gespräch zu führen. Die Gedanken kreisen dann in den sozialen Situationen um die Angst und nicht um das eigentliche Gesprächsthema.

So ist man dann nur mit sich selbst beschäftigt und hat keine Klarheit, um ein lockeres Gespräch zu führen.

Mit einer sozialen Phobie gehen meist noch ein niedriges Selbstwertgefühl und der Drang nach Perfektionismus einher.

Therapien von sozialer Phobie

Eine Behandlung einer solchen Phobie kann auf drei Ebenen stattfinden: Auf der Ebene der Selbsthilfe, der Therapie oder mittels Medikamente.

In diesem Artikel werde ich auf Übungen zur Selbsthilfe eingehen und weise darauf hin, dass Du bitte einen Experten kontaktierst, wenn Du alleine Schwierigkeiten hast, mit Deinen Ängsten umzugehen.

Und hier sind wir auch an einem wichtigen Punkt: Viele Menschen, die Probleme haben, nehmen sich keinen Experte zu Hilfe. Oft wird das als Zeichen von Schwäche wahrgenommen. Ich sage Dir aber: Da ist überhaupt nichts dabei. Wenn Dein Auto nicht geht, dann bringst Du es ja auch zu den Menschen, die sich damit auskennen, um es reparieren zu lassen.

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Wie habe ich meine Ängste überwunden?

Ich bin durch meine Ängste durchgegangen! Da ich eben Angst vor Gesprächen und Nähe hatte, habe ich mich genau dem ausgesetzt.

Ich hatte das Ziel, vor allem Nähe zu Frauen aufzubauen, da ich jahrelang Probleme damit hatte. Deswegen bin ich raus auf die Straße gegangen und bin mit Menschen (vor allem Frauen) ins Gespräch gekommen.

Und zwar über Monate hinweg.

Mit meiner sozialen Phobie gingen Gedanken einher, die sich viel darum gedreht haben, was wohl mein Gegenüber von mir halten würde und was er oder sie von mir wohl denken würde, wenn er oder sie erkennt, dass ich gerade Angst habe. Ich hatte Angst, mich zu blamieren und mich verletzlich zu zeigen.

Außerdem haben mich meine Gedanken auch immer dazu gedrängt, die Situation zu verlassen. So bin ich meiner Angst immer ausgewichen und konnte nichts daran ändern.

Und genau diesen Problemen bin ich begegnet. Ich bin eine Zeit lang jeden Tag auf die Straße gegangen, um Menschen anzusprechen und mir selbst zu zeigen, dass dabei alle meine Befürchtungen niemals eintreffen würden.

Und da ich da konsequent dran geblieben bin, habe ich genau das erreicht. Irgendwann wurde mir klar, dass nichts Schlimmes passieren würde. Ich wurde mit der Zeit entspannter und gelassener. Mir wurde immer mehr egal, was andere Menschen von mir halten.

Hinzu kam, dass ich mein Selbstwertgefühl stärkte und mir eigene Ziele setzte. Dadurch machte ich mich unabhängiger von anderen Menschen.

Das spielte alles zusammen. Zum einen bin ich meine Ängste direkt angegangen und habe mich ständig neuen Herausforderungen gestellt. Und zum anderen habe ich mein eigenes Leben aufgebaut und darauf geachtet, was ich wirklich will.

Übrigens: Wenn Du Angst vor der Angst hast, findest Du hier einen passenden Artikel dazu: Die Angst vor der Angst – so wirst Du sie los!

Wie genau Du vorgehen kannst

Wenn Du Dich auch Deinen Ängsten stellen möchtest, dann könntest Du wie folgt vorgehen:

Wenn Du große Schwierigkeiten hast, mit Menschen in Kontakt zu kommen, dann fang am besten damit an, dass Du Dir Gleichgesinnte suchst. Suche Dir jemanden, der auch seine Ängste besiegen möchte. Gemeinsam ist es leichter.

Das kannst Du tun, indem Du beispielsweise im Internet nach entsprechenden Foren suchst oder nach einer Selbsthilfegruppe oder Du gehst zu Seminaren oder ähnlichem, wo Du neue Menschen treffen kannst.

Und dann fang an, Dich gezielt in Situationen zu begeben, in denen Du Dich bisher unwohl gefühlt hast. Das kannst Du alleine machen oder eben mit jemandem zusammen.

Ihr könnt dann damit anfangen, in die erste unangenehme Situation zu gehen. Je nachdem, was das bei Dir ist, könnte es ein Einkauf sein oder zusammen in eine Bar zu gehen. Gehe in dem Tempo vor, das Dir gut tut. Gehe in kleinen Schritten vorwärts.

soziale-Phobie-überwindenWenn es Dir leicht fällt, vor die Tür zu gehen, Du Dich aber in einer Bar eher unwohl fühlst, dann kannst Du das in kleine Schritte unterteilen. Du musst ja nicht gleich vor allen Leuten eine Rede halten.

Mach Dir vorher einen festen Plan. Das könnte so aussehen, dass Ihr an Tag 1 für 10 Minuten in eine Bar geht, an Tag 2 15 Minuten, an Tag 3 20 Minuten, usw. Und Ihr Euch dann irgendwann Aufgaben gebt, wie z. B.: Stell dem Barkeeper eine Frage.

Ihr coacht Euch gegenseitig. Einer gibt eine Aufgabe und der andere macht sie. Und nach einer gewissen Zeit wird dann gewechselt.

Und so könnt ihr Euch Schritt für Schritt Euren Ängsten stellen. Und wenn Du mal soweit bist, dass Du in der Bar Menschen ansprichst, dann wird das frühere Problem, nur in eine Bar hinein zu gehen, schon vollkommen egal geworden sein.

Dasselbe könnt ihr auch auf der Straße machen. Wenn Du Dir vornimmst, 10 Menschen an einem Tag anzusprechen, dann wird Dir nicht mehr so wichtig sein, was eine Person von Dir denkt. Und wenn Du Dir vornimmst, 100 Menschen anzusprechen, kannst Du Dir vorstellen, was passiert.

In welcher Art und Weise Du Menschen ansprichst ist nicht so wichtig. Du kannst mit leichten Übungen beginnen, wie beispielsweise nach dem Weg fragen oder nach der Uhrzeit. Und auch hier gilt: Mache Dir einen Plan und steigere Dich Schritt für Schritt.

Sei kreativ, gebt Euch Aufgaben und unterstützt Euch gegenseitig.

Wenn Du noch gleichgesinnte suchst, schau Dir auch meinen Ratgeber dazu an: Freunde finden

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Was das Wichtigste ist!

Es ist wirklich enorm wichtig, am Ball zu bleiben. Wenn Du zwei Tage raus gehst und Dich Deinen Ängsten stellst und dann zwei Wochen nichts mehr machst, dann fängst Du quasi wieder bei null an. Die Regelmäßigkeit ist das alles Entscheidende.

Arbeite außerdem noch an Deinen Zielen und Deinem Leben. Setz Dich damit auseinander, was Du aus Deinem Leben machen möchtest und lerne, das zu verwirklichen.

Stelle Dich konsequent neuen Herausforderungen und lass dadurch Deine Ängste los.

Mache zusätzlich Übungen wie Visualisieren oder Meditieren und bleib dran. Mit der Zeit wirst Du merken, dass es Dir immer leichter fällt, Dich von Menschen zu umgeben und mit ihnen eine schöne Zeit zu verbringen.

Und jetzt bist Du dran! Geh raus und zeig Deiner sozialen Phobie wo es lang geht.

Wenn Du noch mehr von meiner persönlichen Geschichte erfahren möchtest, dann trage Dich für das E-Mail Coaching ein!

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Anja - 7. April 2015

Ein sehr interessanter Artikel! Ich hatte früher auch einige dieser Schwierigkeiten, wenn auch nicht in so einem extremen Maß. Mein ständiges Erröten früher hat mich fertig gemacht, vor allem weil andere das als „Verknalltheit“ missverstanden haben. Das war mir dann noch unangenehmer. Alkohol hat die Sache auch bei mir extrem erleichtert. Inzwischen bin ich recht kommunikativ geworden, mit dem Erröten hab ich mich arrangiert. 😀
LG

Reply
    mail@stephanwiessler.de - 7. April 2015

    Ja, sich selbst annehmen, so wie man ist! Das Erröten ist Teil von Dir. Wenn Du es annimmst, kannst Du damit spielen 🙂

    Reply
Hoffnungs-Schimmer - 6. März 2016

Guten Abend,

Eine soziale Phobie hat vielmehr mit der Angst vor der Angst zu tun. z.b. Ich habe so grosse Angst, dass die Symptome kommen, dass ich gar nicht mehr rausgehe. Dann befindet sich der Betroffene in einem Teufelskreis.

Ich finde deine Strategie hervorragend, kleine kontinuierliche Schritte führe zum Ziel. Sich stetig zu steigern und Rückschläge ignorieren. Dennoch würde ich eine tiefgehende Psychotherapie oder eine andere Therapie empfehlen. Wichtig ist nicht das man lernt mit den Symptomen zu leben, sondern warum man diese Symptome hat. Das ist ein sehr aufwändiger Prozess, der lange dauern kann und viel Kraft kostet. Findet man jedoch die Grundursache für die soziale Phobie und verarbeitet diese gründlich, fühlt man den inneren Frieden. Erst dann ist man geheilt. Mit z.b. Medikamenten wird man ebenfalls Erfolge erzielen, bis sie aufhören zu wirken. Davon rate ich ab. jo, das wars auch schon. Ich wünsch dir nen schönen Abend.

Freundliche Grüsse,

Hoffnungs Schimmer

Reply
    mail@stephanwiessler.de - 7. März 2016

    Natürlich ist das wichtig: Wenn ich alleine nicht vorwärts komme, dann suche ich mir Hilfe. Das ist keine Frage.

    Die Suggestion „das ist ein sehr aufwändiger Prozess, der lange dauern kann und viel Kraft kostet“ gefällt mir überhaupt nicht.

    Selbst wenn es so ist: Wem ist damit geholfen?

    Vielleicht geht es ja doch viel leichter bei dem einen oder anderen.

    Reply
Mario - 12. Oktober 2016

Stephan, du schreibst „Ich bin eine Zeit lang jeden Tag auf die Straße gegangen, um Menschen anzusprechen und mir selbst zu zeigen, dass dabei alle meine Befürchtungen niemals eintreffen würden.“

Wie aber bist du mit dem Gefühl umgegangen, dass es sich -grade am Anfang- total unnatürlich anfühlt, als wenn du was mega schräges machst? Der Gedanke dahinter ist „ich laufe jetzt absichtich täglich durch die Stadt und spreche fremde Menschen (oder Frauen) an“.

Viele Grüße
Mario

Reply
    mail@stephanwiessler.de - 14. Oktober 2016

    Hallo Mario,

    durch dieses Gefühl bin ich „einfach“ durchgeganegen. Genau darum ging es ja bei der Übung.

    Beste Grüße

    Reply
Mario - 14. Oktober 2016

Hallo Stephan,

das ist manchmal nicht so einfach, wie du weißt.

Bist du dir da nicht total bekloppt vorgekommen täglich extra die Straßen rauf und runter zu laufen, um Menschen (Frauen) anzusprechen? Dieses Gefühl habe ich nämlich, deswegen frage ich.

Liebe Grüße
Mario

Reply
    Machello - 17. Oktober 2016

    Ob man sich bekloppt fühlt? Das kannst du mir Glauben.
    Ich habe 5 Jahre meines Lebens damit vebracht die größte Zeit Zuhause zu vebringen. Der PC und das Internet waren mein täglicher begleiter.
    Was kann man tun? wann verändert man sich und wie schafft man es?
    Der Teufelskreis ist ein harter Kern, den wir hassen und auch lieben, da wir uns Im unwohl sein doch wohl fühlen solang wir geregelt unser Ablauf des Tages, so wie es die krankheit verlangt, bestimmt. Ich habe in diesem prozess sehr gelitten und war oft immer wieder kurz vor dem aufgeben, aber der mensch ist lernfähig und eignet sich mit der zeit neue Elemente an.
    Zum Beispiel war für mich schrecklich Bahn zu fahren, Einkaufen zu gehen oder überhaupt jemanden zu treffen sogar die Familie.
    Heute glaubt mir kaum einer dass ich darunter leide oder gelitten habe. ich bin selbstbewusst und habe keine schwierigkeiten. Was ich Dir vermitteln will ist, dass dein Wille zur Veränderung stärker seiner muss als die Angst.
    Gehe ich raus? (krankheit : nein!) also rede ich mir ein es zu tun.
    Sprech Menschen an und vertrau mir du musst es aus der anderen perspektive mal betrachten. Wenn Dich jemand ansprechen würde egal worum es geht, wie empfindest du ? Sagen wir jemand fragt dich nach einem Weg, ist dann der jenige der Dich nach einem Weg gefragt hat bescheuert? Merkwürdig? Ich denke nicht. Deshalb sehe ich das mittlerweile gelassen. Es ist schwieriger als man es hier niederschreibt, aber solch eine Prozedur kann Monate wenn nicht sogar Jahre dauern. Aber Tust du nichts bleibt der Teufelskreis bestehen.
    Was mich komplett verändert hat war der Sport, ich hab es nach 6 monaten kontinurirlichen Training der Phobie geschafft mich ins Fitness center zu begeben und das war ein großer erfolg, ich als sport muffel, der jahre vor dem Pc saß befindet sich im Fitness center, wo sich doch alle so präsentieren und zeigen wollen, aber glaub mir nach 2-4 wochen Fitness war ich wie ausgewechselt. Ich kann mit menschen reden, kann auf menschen zu gehen, kann mich draußen frei bewegen und das beste ich habe den teufelskreis besiegt.
    Glaub immer daran und wenn du zu viel bedenken hast, spring einfach. damit mein ich nicht vo n der Brücke sondern aus dem teufelskreis 😀 Einfach machen, augen zu und durch.
    Frag nach der Uhrzeit, dann nach wegen, dann ´fang mit umfangreicheren fragen an und mit der Zeit merkst du, all die Gedanken die du hattest waren nicht nötig. Nur der Gedanke vor dem was passiert ist das problem, denn es passiert rein garnix außer dass Du dich entwickelst 🙂
    Wünsche dir viel Glück auf deinem Weg :)!

    Reply
      Steffi - 5. März 2017

      Das ist so, so toll, vielen Dank! Sehr motivierend! Ich schaffe das!!!

      Reply
      Markus - 11. Juli 2018

      Vielen Dank für den Beitrag, könntest ich sein. Bin noch am Anfang (Totalle Abschottung von allem), aber dein Bericht macht mir sehr viel Mut, Danke dafür !

      Reply
Thomas - 9. Dezember 2016

Es ist wie mit allen Phobien, letzten Endes darf man sein Leben nicht der Angst überlassen und muss sich mit jeweiligen Situationen konfrontieren, als Betroffener ist dies so ziemlich das letzte was man hören will, aber unter einer Phobie zu leiden ist kein gerichterlicher Beschluss und man kann sich sein Leben und vor allem seine Lebens Qualtität zurückholen.

Reply
Patrick - 17. April 2017

Hallo, hatte vor 8 Jahren die Diagnose „Soziale Phobie“ bekommen, hab zu der Zeit eine amb. Verhaltenstherapie gemacht. Wie sich nun rausstellte (zweite Verhaltenstherapie) war es keine soz. Phobie sondern ängstl. vermeidende Persdönlichkeitsstörung nur sind die die Symptome teilweise gleich, es wird mir und wurde mir aber gesagt das es dafür keine Heilung gibt, mittlewerweile bin ich 35 und weiß nicht weiter dachte auch ich kann es durch trainieren (Ängsten stellen) Selbswert und -vertrauen stärken abstellen, gerate aber immer wieder in alte Muster. Kennt jemand rat ?

Reply
    mail@stephanwiessler.de - 18. April 2017

    Lieber Patrick,

    hier stoßen wir in einen Bereich vor, in dem ich nicht ausgebildet bin. Auf dieser Homepage gebe ich lediglich meine persönlichen Erfahrungen weiter. Ich würde Dir empfehlen, Dich weitläufig umzuschauen und möglichst viele Dinge auszuprobieren, um Deinen persönlichen Weg zu finden und in Deinem Sinne erfolgreich zu gehen.

    Mit den allerbesten Grüßen,

    Stephan Wießler

    Reply
HassundAngstsindbeianander - 26. April 2017

Ich denke so lange man die Ursache nicht kennt, und nur die Symptome bekämpft wird die Soziale Phobie immer wieder zurückkehren. Oft ist die Familie einer der meisten Gründe warum man sozial unsicher ist. Erlebt jemand Hänseleien, aber die Familie versucht denjenigen zu unterstützen so wird sich eher keine Soziale Phobie entwickeln. Auch bei kleinen Kinder zB, wenn sie schüchtern sind und die Eltern keine Möglichkeiten bieten um ihm zu helfen, wie dass sie Besuch einladen ist es nicht verwunderlich dass es vielleicht irgendwann krankhaft wird. Niemand hat sowas grundlos oder von Geburt an. Klar, jeder kommt mit einem unterschiedlichen Selbstwertgefühl zur Welt aber man kann es verbessern oder verschlechtern. Das wird einem immer durch die Umwelt mitgegeben.

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anonym - 9. Juni 2017

Ich bin in eine neue Stadt gezogen und plötzlich wie ein anderer Mensch. Ohne meine vertrauten Strukturen / Freunde um mich herum, bin ich sehr schüchtern, unlustig, unmutig, wenn es um den Kontakt zu anderen, neuen Menschen geht. Das Gefühl bei einer Unterhaltung eher mit dem Angst beschäftigt zu sein, zu denken, dass man gerade einfach nichts gutes/schlaues zu sagen hat und die Frage was die andere Person von einem denkt und sich während des Gesprächs selbst schon innerlich dafür runterzumachen, kenne ich auch sehr gut. Wenn ich mich zurück erinnere, dann habe ich diesen Wesenszug schon immer an mir. Beispiele dafür sind, dass ich mich auch so wie jetzt fühlte, als ich in die Stadt zog, in der ich davor lebte. Über die Jahre hinweg fühlte ich mich aber sehr zu Hause und habe auch einen engen Freundeskreis aufgebaut. Aber wenn ich neue Kontexte betrete und auf mich alleine gestellt bin, dann habe ich immer noch die gleichen Probleme. Ich brauche sozusagen dieses Freundeschutzschild um mich herum und dann kann ich stark agieren. Und in Interaktion, in meiner Wohlfühlumgebung lustig sein, die Leute zusammenhalten und Dinge anregen. Alleine hingegen bin ich oft sehr eingeschüchtert und ängstlich. Das zeigt sich auch in Hinblick auf Entscheidungen treffen. Mir ist es fast nicht möglich alleine Entscheidungen zu treffen, weil die Angst vor den potentiellen Veränderungen so groß ist, mich mit meinen Gedanken im Kreise drehe und selbst wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, weiter unsicher bin, ob es die richtige war.

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Mark Francis - 12. November 2017

Hi Stephan!
Es ist enorm wichtig das man am Ball bleibt, da hast du vollkommen recht. Ich mache das in meinem Job, wo ich andauernd in Meetings sitze und Kunden herumführen muss. Beides hasse ich wie die Pest, doch stärkt es mein Selbstbewusstsein ungemein. Demnächst darf ich den Zoll begrüßen, vor dem ich einen wahnsinnigen Respekt habe. Doch auch das werde ich schaffen und mich nachher umso besser fühlen. Üben,üben und nochmals üben.

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sabine - 28. Januar 2018

Bei mir wurde soziale Phobie vor 8 Jahren festgestellt.
Bei einer der vielen Therapien brauchte ich 2 Tage um überhaupt aus meinem Zimmer zu gehen.Nach 9 Wochen Klinik hatte ich dort keine Probleme mehr aber auch nur weil ich alle dort inzwischen kannte. Das wirkliche Leben ist ganz anders. Da helfen auch deine Tipps nicht. Gehe raus und spreche jemanden an… Wie denn? wenn ich vor dem rausgehen schon Durchfall bekomme und mich übergeben muß? Ich lebe seit 4 Jahren in absoluter Einsamkeit.. Einkäufe usw funktionieren übers Internet.Ich habe keinerlei soziale Kontakte,keine Freunde,eine große Familie die sich schon lange abgewendet haben.
Arzttermine sind nur mit einer gr. Menge Diazepam und dann natürlich Taxi zu bewältigen. Das ist soziale Phobie… Man ist tot,man atmet nur noch..

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Herrold - 28. Januar 2018

Hallo Stephan,

ich habe gerade die Ansprechübung (nach Uhrzeit und Weg fragen) gemacht. Kein einziger Mensch hat mich abgewiesen, manche sogar angelächelt. Trotzdem fiel es mir von mal zu mal schwerer Leute anzusprechen.
Ich finde es toll, dass du geschrieben hast, man soll langsam einsteigen und sich allmählich steigern. Das habe ich, als ich in eine andere Stadt gezogen bin, missachtet. Ich war schon immer lieber vor der Xbox als draußen was mit Freunden unternehmen. Das wollte ich aber ändern und habe ohne Rücksicht auf meine Gefühle wirklich jede Gelegenheit genutzt, mit anderen ins Gespräch zu kommen. In der Bahn, in Parks, im Supermarkt. Ich hatte kaum noch Zeit für meine Hobbies. Das Ende vom Lied war, dass ich plötzlich zusammengebrochen bin -im Übertragenen Sinne- und nur noch Zeit auf der Couch mit Netflix gucken verbracht habe. Das war vor einem Jahr! Ich will es jetzt mit Deiner Strategie nochmal versuchen! Du und die Kommentare hier haben mich dazu ermutigt.

MfG Herrold

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    Anonymous - 22. Juni 2019

    Exakt, weil das die falsche Strategie ist, finde die Ursache, bekämpfe nicht das Symptom.

    Reply
Melanie - 27. August 2018

Super Beitrag.

Danke!

Reply
Melanie - 27. August 2018

Ich bin sehr schüchtern und zwar schon immer, ich habe probleme damit, vor der klasse zu sprechen und auch wenn ich mut jmd fremdem rede, lass ich ihn lieber reden, auch in der schule bei meinen eigentlichen freundinnen bin ich teilweise noch schüchtern, weil ich mich erst einmal mit den menschen alleine treffen muss, um zu wissen, woran ich bin, keine ahnung. Auf jeden Fall habe ich vor einiger Zeit eine Seite gefunden, die mir sehr geholfen hat: https://soziale-angst-überwinden.com/schüchternheit-ablegen/

Jedenfalls weiß ich gar nicht, woran es liegt, ich hab nicht direkt angst, auch im unterricht, da denk ich nicht “oh nein, was, wenn ich mich jetzt verspreche oder was falsches sage?” an sowas denk ich gar nicht, aber ich hab trotzdem diese symptome, dass meine haende anfangen zu schwitzen und nein puls in die höhe geht und ich versteh mich einfach selber nicht, ich kann meinen koerper teilweise gar nicht kontrollieren, ich weine auch total schnell, aber auch bei sachen, wo sich mein gehirn gar nichts bei denkt und schon hab ich tränen in den augen
Und auch das problem mit der eigenen meinung habe ich, aber nicht so, dass ich eine meinung habe, aber mich nicht traue, sie zu sagen, das war frueher so und heute nur noch selten, aber inzwischen hab ich das gefuehl, dass ich gar keine meinung mehr habe, so viele sachen sind mir total gleichgueltig oder ich kann mich einfach nicht zwischen irgendwas entscheiden
Ich weiß einfach nicht, was ich dagegen tun kann, ich würde es ja versuchen, aber ich weiß einfach nicht, wie, denn es beschraenkt mich inzwischen so sehr und ich habe einfach nur angst, einen job zu bekommen, weil ich denke, dass ich wegen meiner eigenen persönlichkeit daran scheitern werde

Reply
Roti - 22. Juni 2019

Ich glaube nicht, dass es sich hierbei um soziale Phobie handelt sondern um Schüchternheit. Die ist durch Rausgehen abtrainierbar.
Soziale Phobie liegt tiefer.
Ich gehe immer raus, immer unter Leute, und es verbessert sich wenig, da ich mich DANACH meist schlecht, wertlos, dumm, peinlich fühle. Die Nachbewertung scheint mir entscheident. Eventuell ist die DBT wie bei Borderline hilfreich. Lässt uns dafür kämpfen. Einfordern, mehr Wut, weniger Anpassung. Das ist sonst nur Symptombekämpfung nicht Ursachenbekämpfung.

Reply
Manuel - 18. Juli 2019

Ich danke Ihnen für den interessanten Artikel. Ich habe größten Respekt vor jedem, der solch eine Phobie überwunden hat. Es ist möglich aber nicht immer einfach.
Mit besten Grüßen,
Manuel

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