Wie Du die Angst vor öffentlichen Reden abbaust

Wer kennt sie nicht, die Angst vor einer Gruppe zu stehen und eine Rede zu halten? Die wirren Gedanken, die einem dabei in den Kopf schießen. Der Schweiß, der die Achseln nach unten läuft. Die zittrigen Hände und die innere Aufregung.

Diese Angst lässt sich abbauen und in diesem Artikel verrate ich Dir, wie das geht.

Zu einem meiner Charisma Camps kam einmal ein Teilnehmer, der schon häufig Präsentationen vor mehreren Hundert Zuhörern gehalten hatte. Aber jedes mal, wenn er das tat, kam wieder dieses Unbehagen auf. Es wurde einfach nicht weniger. Jedes mal musste er die Angst durchleben und sich durch den Vortrag quälen.

Ich schaute ihn an, sprach mit ihm und wusste sofort, woran es lag.

Klar, es gibt viele gute kleine Kniffe, die man bei solch einem Vortrag anwenden kann. Sei es, sich auf einen bestimmten Punkt oder eine bestimmte Person zu konzentrieren, während man referiert. Oder absichtlich übertrieben langsam zu sprechen. Oder seine Hände in einer bestimmten Position zu halten, um Sicherheit auszustrahlen (Bestes Beispiel: Angela Merkel).

Das sind alles kleine Tricks, die auch helfen können, aber das zu Grunde liegende Problem nicht langfristig lösen.

Zu meinem Seminarteilnehmer meinte ich nur:

„Ich wette Du hast Dich auf jeden Vortrag Top vorbereitet. Und Du hast eine tolle Präsentation vorbereitet. Sicherlich bist Du den Vortrag vorher auch oft durchgegangen und hast Dir kleine Karten zum Ablesen gebastelt.“

Das alles nickte er ab und ich fuhr fort:

„Und ich wette auch, die Vorträge kamen immer gut an.“

Auch das konnte er bestätigen. Aber die innere Aufregung ging einfach nicht weg.

„Das wundert mich nicht. Denn wenn Du da vorne stehst, präsentierst Du zwar, was Du vorbereitet hast, aber Du vergisst eines! Du präsentierst vor allem Dich. Und zwar nicht nur das, was Du sagst und rein visuell darstellst, sondern vor allem auch, Deine Emotionen.

Und genau diese versuchst Du zu verstecken. Kein Mensch soll mitbekommen, wie es Dir gerade geht. Du stehst auf dem Präsentierteller und versuchst Deine Emotionen zu verstecken. Aber das geht nicht. Sie stehen mit Dir da vorne.

Was Du also tun musst.: Du musst Dir selbst erlauben, Deine Emotionen zu leben.“

Das ist auch schon der ganze Trick. Sich selbst zu erlauben, seine Emotionen zu zeigen. Leider ist das aber nicht immer so einfach. Wie geht das also?

So baust Du die Angst vor öffentlichen Reden ab

Es ist eine Übungssache und anfangs gehört Mut dazu. Wie genau solltest Du vorgehen?

1. Nimm Deine Gefühle bewusst wahr

In unserer Gesellschaft wachsen sehr viele Menschen sehr verkopft auf, wodurch sie einen schlechten Zugang zu ihrem Körper und ihren Emotionen haben. Das gilt es zu ändern.

Jedes mal wenn Du Dich in einer angsteinflößenden Situation befindest, solltest Du versuchen deine Emotionen wahr zu nehmen. Das kannst Du sogar den ganzen Tag über üben. Gehe dazu einfach mit Deinen Gedanken in Deinen Körper hinein und fühle mal ganz genau hin.

An welcher Stelle in Deinem Körper fühlst Du etwas. Wo genau ist dieses Gefühl.

Je nachdem, wie bewusst Du Dir bereits bist, kann Dir das schwer fallen oder leicht. Wichtig ist, das regelmäßig zu üben. So wirst Du Dir nach und nach Deiner Emotionen bewusst und kannst dann viel leichter zu Schritt 2 übergehen.

Zur Unterstützung helfen auch oft Übungen wie Meditation oder Yoga, wobei Du Dich und Deinen Körper besser kennen lernen kannst.

Auch wenn das neu ist für Dich, wenn Du Angst vor öffentlichen Reden abbauen möchtest, wird Dir das helfen.

Also, übe ab jetzt, in jeder Situation, in der Du unsicher bist, Deine Emotionen bewusst wahr zu nehmen.

2. Erlaube Dir, diese Gefühle zu haben

Beim ersten Schritt ging es erst einmal darum, Deine Gefühle wahrzunehmen. Als nächstes kannst Du dann lernen, diese Gefühle auch anzunehmen. Egal ob sie gut oder schlecht sind. Erlaube Dir, Angst zu haben!

Das ist vollkommen in Ordnung. Erlaube den Gefühlen da zu sein. Sie haben ihre Berechtigung. Wenn Du versuchst die negativen Gefühle „weg zu machen“, wird es nicht besser.

Lerne, Deine Gefühle anzunehmen. Alles, was Du dafür tun musst, ist reinfühlen (Schritt 1) und akzeptieren (Schritt 2).

Mit ein wenig Übung wird Dir auch das immer leichter fallen und du kannst dann zu Schritt 3 übergehen.

3. Erlaube Dir, dass andere Menschen Deine Gefühle wahrnehmen dürfen

Als nächstes erlaubst Du nicht nur Dir, diese ängstlichen Gefühle zu haben. Du erlaubst sogar allen anderen Menschen mitzubekommen, wie es Dir geht. Ich weiß, dass das sehr ungewohnt ist. Ich weiß aber auch, dass dies die Lösung für das Problem darstellt und Dir eine enorme Freiheit geben wird.

Lerne, Deine Gefühle nicht mehr zu verstecken, sondern sie zu präsentieren. Sag zu Dir selbst, dass es OK ist, aufgeregt zu sein und dass es alle Menschen im Raum mitkriegen dürfen. Erlaube Deinen Emotionen da zu sein.

Ich spreche teilweise am Anfang meiner Rede sogar an, dass ich gerade sehr aufgeregt bin. Das weckt direkt Sympathien und macht es mir noch einfacher meinen Emotionen zu zeigen.

Übe auch das im Alltag. Wenn Du soweit bist, und Schritt 1 verinnerlicht hast, dann fang an, Dir in ängstlichen Situationen zu erlauben, Deine Gefühle auszustrahlen. Jeder Mensch darf mitkriegen, wie es Dir gerade geht!

4. Üben, üben, üben

Natürlich erfordert es ein wenig Übung diese Schritte umzusetzen. Aber es ist es wert. Du wirst dadurch in Zukunft in ganz vielen Situationen gelassener, selbstbewusster und sicherer werden.

Ja, es braucht Übung, ist ungewohnt und ist etwas Neues, aber es ist die Lösung für dein Problem. Überlege Dir am besten sofort, wie Du das im Alltag umsetzen wirst. Tägliche Praxis, wie Meditation oder Yoga, habe ich Dir ja schon nahegelegt.

Weiterhin kannst Du einfach immer wieder im Alltag Deine Emotionen beobachten. Egal, ob Du im Bus sitzt, Dich mit jemandem unterhältst oder gerade am Essen bist.

Und mit Dir Zeit, und sobald Du Dir erlauben kannst, Deine Gefühle zu präsentieren, wird es Dir immer leichter fallen öffentliche Reden zu halten.

 

 
Bildquelle: „Image courtesy „Male Singer“ by phanlop88 / FreeDigitalPhotos.net“
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Micha - 19. August 2013

„Du musst Dir selbst erlauben, Deine Emotionen zu leben.“

Geniale Aussage! Dasselbe habe ich am eigenen Leib erfahren, als meine Angst mich zurück gehalten hat, einfach zu tun worauf ich Lust hatte. Was würden denn die anderen denken?!

Dann plötzlich erkannte ich, dass ich nur Vermutungen aufstelle darüber, was andere Menschen denken. Somit kann ich nie wissen, was sie denken, also wozu Gedanken darüber machen? Aber da war noch die Angst..

Ich beobachtete meine Angst bewusst und bemerkte, dass es eigentlich nur Energie ist, die in meinem Körper steckt. In meinem Fall wollte die Energie raus! Also habe ich ihr erlaubt, aufzusteigen – und habe gleichzeitig gehandelt!

Das gab einen wunderbaren Adrenalinschub und ein Freiheitsgefühl, weil ich einfach getan hatte, was ich wollte – und meiner Angst freien Lauf ließ, ohne sie zu verdrängen.

Tony Robbins hatte mal einen berühtem Musiker gefragt, ob er vor seinen Auftritten immer noch aufgeregt sei und wie er damit umginge. Dieser antwortete ihm mit den typischen Angst-symptomen, die Tony bereits bei vielen seiner Klienten gesehen hatte. Der Unterschied: Der Musiker interpretierte das Gefühl nicht als böse Angst, sondern als Vorfreude auf das Konzert und nahm das Gefühl zum Anlass, erst recht loszulegen!

Alles also eine Frage der Interpretationssache, wie wir das Gefühl bewerten. Wenn wir es nicht unterdrücken, sondern frei laufen lassen, machen wir uns selbst frei davon!

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Tobias - 8. September 2013

Großartiges Thema! Ich selber bezeichne es immer als sadistische Freude, bevor ich auf die Bühne gehe. Glaube aber auch, dass die Aufregung ein gutes Zeichen ist: Sie bedeutet nämlich, dass es einem nicht egal ist, was man vor dem Publikum tut.

Ein sehr guter Redner hat mir mal erzählt, dass man immer etwas von sich selber geben muss, wenn man vor Leuten spricht.

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    mail@stephanwiessler.de - 9. September 2013

    Ja, das kann ich bestätigen. Nach einem Vortrag merke ich auch, dass ich viel gegeben habe. Ich bin dann auf der einen Seite etwas ausgepowert, aber auf der anderen auch sehr zufrieden.

    Reply
Ralf - 1. Oktober 2013

ich moderiere in ulm immer einen rosenmontagsball mit kostümprämierung und showact. das ist eine charityveranstaltung. ich freu mich immer riesig wenn ich das machen kann, weil ich dann die aufmerksamkeit kriege die ich verdiene. und das treibt mich an. wenn mal ein fehler passert ist, sagte ich schon, kleine fehler machen das ganze doch erst sympatisch und weiter gings….

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    mail@stephanwiessler.de - 1. Oktober 2013

    Hi Ralf,

    danke für Deine kurze Geschichte. Ja, auch das Fehler machen gehört dazu und nach meiner Meinung sollte man auch dazu voll und ganz stehen. Viel Spaß noch weiterhin auf Deinen Bällen.

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