Was bedeutet das überhaupt: Komfortzone verlassen?

In ganz vielen Ratgebern heißt es immer wieder: Verlass Deine Komfortzone! Stell Dich Deinen Ängsten und erweitere somit Deinen Horizont.

Und ich kann dem auch voll und ganz zustimmen.

Doch in diesem Artikel möchte mal damit aufräumen, was das überhaupt genau bedeutet.

Was ist die Komfortzone?

Das hast Du wahrscheinlich schon ein paar Mal gehört oder gelesen, doch der Vollständigkeit wegen, nehme ich das hier kurz mit auf:

Die Komfortzone ist der Bereich, in dem Du Dich wohl wühlst. In dem es bequem ist und Du keinerlei Anstrengung brauchst, um etwas zu tun.

Das ist z. B. die Couch im heimischen Wohnzimmer. Ein Ort, an dem es einfach ist zu verweilen. Genauso ist es aber auch ein Job, den Du schon seit einer Ewigkeit machst und wo Du Dich auskennst. Und es kann die eingeschlafene Beziehung sein, die Du aus Gewohnheit führst. Für manche ist es auch der immer selbe Urlaubsortort.

Es ist also ein Bereich, in dem Dich nicht viel Neues erwartet, sondern Du mit ziemlicher Sicherheit weißt, was alles passieren wird. Deine körperlichen Alarmfunktionen sind dabei vollkommen runtergefahren und Du kannst innerhalb dieser Komfortzone ausruhen.

Warum ist es jetzt sinnvoll, diese Komfortzone zu verlassen?

Klingt doch eigentlich schön und gut. Das Leben in dieser Zone.

Das Problem dabei: Du entwickelst Dich nicht weiter. Du bleibst dort stehen, wo Du bist.

Und da die Welt sich ständig verändert, bleibst Du zurück.

Menschen, die eine kleine Komfortzone haben und nur in ihr verweilen, haben eine sehr geringe Flexibilität.

Das bedeutet, dass sie sich mit neuen, ungewohnten und vor allem unerwarteten Situation nur schwer anfreunden können. Doch diese Situationen kommen auf alle Menschen früher oder später zu. Denn die Welt ist nun mal nicht starr.

Und genau deswegen fühlen sich die Menschen wohler, die ihre Komfortzone schon viel ausgeweitet haben. Denn sie sind flexibler und können auf alle Situationen viel besser reagieren. Sie können schneller umdenken und sich besser an Veränderungen anpassen.

Wie genau kannst Du Deine Komfortzone erweitern?

Komfortzone verlassenLetztens hat mich ein befreundeter Regisseur gefragt, ob ich in seinem neuen Film eine kleine Statistenrolle übernehmen möchte.

Das kam für mich wie aus dem Nichts und vollkommen unerwartet.

Ich habe dann sofort zugesagt.

Als ich am Drehtag abends nach Hause kam, fragte mich einer meiner Mitbewohner, was ich heute gemacht hätte.

Ich meinte, ich hätte heute meine Komfortzone verlassen. Ich war den ganzen Tag beim Filmdreh und bin in eine mir fremde Welt eingetaucht.

Er schaute mich nur verdutzt an und erwiderte: „Das nennst Du Komfortzonenerweiterung?“

Und wie!

Es gibt Menschen, die meinen, eine Komfortzonenerweiterung bestünde nur darin, sich seinen tiefsten Ängsten zu stellen.

Aber das allein ist es nicht.

Ja, es geht schon immer darum, sich seinen Ängsten zu stellen. Aber die Angst kann sehr unterschiedliche Facetten haben.

Wie macht sich die Angst bemerkbar?

Es gibt da eben diese eindeutigen Ängste. Z. B. wenn ich mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug springen soll. Wenn ich da oben im Flugzeug stehe und mich vom Sprung in die Leere nur noch ein Schritt nach Vorne trennt, dann bekomme ich es aber richtig mit der Angst zu tun.

Das ist ein sehr klares und deutliches Gefühl in mir.

Und wenn ich dann springe, dann bin ich durch meine Angst durchgegangen und habe meine Komfortzone erweitert.

Die Angst kommt aber auf noch ganz anderen Wegen daher!

Häufig macht sie sich in Aussagen bemerkbar, wie:

„Nee, keine Lust.“

„Ich kann jetzt nicht.“

„Das mache ich morgen.“

„Vielleicht ein anderes Mal.“

„Das geht nicht, weil…“

Oder sonst irgendeiner Ausrede, die einem gerade in den Sinn kommt.

Und hier wird es spannend!

Denn man kann seine Komfortzone im Prinzip den ganzen Tag über ein klein wenig erweitern.

Man muss nicht gleich den großen Sprung machen (wobei das auch sehr sinnvoll ist), sondern kann sich kleinen Herausforderungen des Alltags stellen.

Ein paar Beispiele für Komfortzonenerweiterungen, die nicht immer wie welche wirken:

– Ein Buch lesen aus einem komplett neuen Themengebiet

– Wenn man keinen Überblick über seine Finanzen hat: Seine gesamten Finanzen notieren

– Nicht den gewohnten, sondern einen anderen Weg zur Arbeit nehmen

– Wenn man nicht kochen kann: was kochen

– Irgendwo hinfliegen, wo man noch nie war

– Ein Spontanurlaub

– Neue Kleidung anprobieren, die man sonst nicht trägt

– Mit Menschen auf der Straße/ im Supermarkt/ im Aufzug ins Gespräch kommen

– Ins Theater/ Museum/ in die Oper gehen

– Freunde zum Essen einladen

– Einen Kurs bei der Volkshochschule ausprobieren

 

Also, Deine Komfortzone regelmäßig auch im Kleinen zu verlassen, wird Dir eine Menge bringen. Du stellst Dich dadurch immer neuen Situationen im Leben und steigerst Deine Flexibilität.

Und wenn Deine Komfortzone gewachsen ist, dann gehst Du viel entspannter und lockerer durchs Leben. Dein Selbstvertrauen steigt und Du kannst viel gelassener auf unerwartete Situationen reagieren.

Wie gesagt, es muss nicht immer der große Sprung sein. Erweitere Deine Komfortzone täglich im Kleinen!

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