So traust Du Dich in den entscheidenden Situationen „Ja!“ zu sagen

Dies ist ein Gastartikel von Ben Paul. Ben ist 22 Jahre jung und hat seinen eigenen Workshop ChallengeYourself gegründet. Er hilft Menschen dabei, bewusst ihre Komfortzone zu verlassen. Außerdem ist er Potentialentfaltungstrainer der Rock Your Life Akademie. Ben ist frei lernender Student und bloggt über seine Erfahrungen derzeit auf www.onedayprofits.de. Er arbeitet gerade am Aufbau seines neuen Blogs www.anti-uni.com, auf dem er über Self-Education und andere Bildungsthemen schreiben wird.

 

Kennst Du diese Situationen, in denen Du gerne einfach „Ja“ sagen würdest? Kennst Du diese Situationen, in denen Du Dich gerne einfach trauen würdest? Situationen, nach denen Du denkst: „Hätte ich mich doch mal getraut.“

Situationen wie diese erleben wir alle von Zeit zu Zeit – egal ob es darum geht den Chef um eine Gehaltserhöhung zu bitten, die neue Kollegin auf einen Café einzuladen oder gar die Traumfrau auf der Straße anzusprechen. Was es auch ist, Dir fällt sicher Dein eigenes konkretes Beispiel ein.

Das ist kein besonders schönes Gefühl, nachdem man eine solche Situation hat verstreichen lassen. Ich ärgere mich dann immer über mich selbst und denke: „Na was hätte denn schon Schlimmes passieren können?“ Weder der Chef noch die neue Kollegin hätte mir wohl den Kopf abgerissen – und die Traumfrau erst recht nicht.

In fünf Phasen zum „Social High“

Meistern wir Situationen, in denen wir einen inneren Widerstand überwunden haben, dann geben sie uns ein tolles Gefühl und stärken unser Selbstbewusstsein – ich nenne es gerne das „Social High“. „Social High“ deshalb, weil wir uns energetisiert, selbstbewusster und irgendwie „high“ fühlen, wenn wir uns trotz unseres inneren Widerstandes getraut haben.

Ich gebe nun schon seit einiger Zeit Workshops, an denen Menschen teilnehmen, die sich mehr zutrauen möchten. Über die Zeit habe ich festgestellt, dass wir in kritischen Entscheidungssituationen in der Regel bestimmte Phasen durchlaufen. Ich möchte Dir im Folgenden zeigen, wie Du in fünf Phasen zu Deinem Ziel bzw. Deinem eigenen Social High gelangen kannst.

Phase 1: Du hast ein Ziel – Du weißt, was Du gerne tun willst.

Ich werde jede Phase anhand von zwei Beispielen erklären. Die Beispiele habe ich gewählt, weil sie sehr plastisch sind. Ich hoffe, dass Du die einzelnen Phasen jedoch auch auf Deine ganz persönlichen Lebenssituationen anwenden kannst.

Situation 1 (der Klassiker!): Du siehst eine hübsche Frau auf der Straße und möchtest sie gerne ansprechen. Du hast die Möglichkeit dazu, traust Dich aber nicht.

Situation 2: Du hast eine Idee und möchtest sie Deinem Chef vorstellen. Du findest die Idee gut, traust Dich aber nicht, weil Du glaubst, dass er Deine Idee nicht gut finden wird. 

(Alternativ kannst Du Dir in diesem Beispiel auch vorstellen, Deine Idee einer größeren Menge von Leuten zu präsentieren – eine großartige Möglichkeit, um Feedback zu erhalten.)  

In beiden Situationen ist es oftmals die Angst vor Zurückweisung, die uns zurückhält. Ich möchte jetzt nicht näher darauf eingehen, nur so viel sei gesagt: Zurückweisung im Leben ist normal – sie ist sogar gut, denn Du lernst unglaublich viel daraus. Der Unternehmer Jia Jiang hat bewusst über 100 Tage jeden Tag Zurückweisung erlebt – seinen spannenden Ted-Talk kannst Du hier sehen: http://rejectiontherapy.com/rejection-therapy-on-tedxaustin/

Nun zu den Beispielen: Du weißt in beiden Situationen, was genau Dein Ziel ist. In Situation 1 möchtest Du die reizende Dame kennenlernen. In Situation 2 möchtest Du vor allem Feedback für Deine Idee bekommen. So weit so gut.

Phase 2: Du weißt, wie Du Dein Ziel erreichen kannst.

Dieser Punkt klingt vielleicht banal – dennoch ist er wichtig. Denn wenn Du weißt, wie Du Dein Ziel erreichen kannst, dann kannst Du zumindest nicht sagen: „Ich weiß ja nicht wie ich mein Ziel erreichen soll.“ Dein Gehirn ist schon kreativ genug darin, sich Ausreden auszudenken. Die Möglichkeit sagen zu können, dass Du ja nicht weißt, wie Du an Dein Ziel kommst, möchten wir daher von vorneherein ausschalten.

In Situation 1 weißt Du, dass Du die junge reizende Dame ansprechen musst. Das ist die notwendige Voraussetzung dafür, um sie kennenzulernen. Wenn Du minutenlang hinter ihr herläufst oder sie aus dem Augenwinkel beobachtest, wirst Du sie nicht kennenlernen. Ich spreche aus Erfahrung.

In Situation 2 möchtest Du Deinem Chef Deine Idee präsentieren. Du glaubst, dass Deine Idee gut ist und einen positiven Impact für die Firma haben kann. Du glaubst auch, dass die Idee Deinem Chef gefallen könnte. Dir ist bewusst: Du kannst ihn um ein Gespräch bitten und ihm im Laufe des Gesprächs Deine Idee darlegen.

Phase 3: Die Ausreden – Dir fallen viele Dinge ein, warum Du es nicht tun solltest.

Ich finde es immer wieder spannend, wie kreativ mein Gehirn in solchen Situationen wird. Mir fallen eine Vielzahl von Argumenten ein, warum ich etwas nicht tun sollte. Oft ist es einfach nicht „der perfekte Moment“. Nun wirst Du sagen: „Den perfekten Moment gibt es auch nicht!“ – Genau richtig. Zurück zu den Beispielen:

Deine Traumfrau ist noch immer in Deinem Sichtfeld. Du aber denkst: „Sie hat bestimmt einen Freund“ – der Klassiker. Dicht gefolgt von: „Naja soo hübsch ist sie jetzt auch wieder nicht.“ Außerdem gibt es da noch folgende Möglichkeiten: „Bestimmt ist die gar nicht so schlau wie sie aussieht.“ Oder: „Sie findet mich bestimmt eh nicht interessant“.

Springen wir zu Situation 2: Deinen Chef zu fragen ist eigentlich auch keine wilde Sache. Dennoch denkst Du vielleicht: „Wenn er meine Idee schlecht findet, dann verschwende ich seine Zeit und er wird bestimmt sauer sein.“ Außerdem musst Du sowieso zurück an die Arbeit und hast gerade Besseres und Wichtigeres zu tun. 

Ganz schön kreativ, oder? Und das gerade in diesen Situationen, in denen wir auf die Kreativität unseres Gehirns getrost verzichten könnten. Das sind nur zwei Beispiele für typische Muster, die in solchen Situationen in unseren Köpfen ablaufen. Sicher kennst Du Deine ganz eigenen Situationen, in denen Du ähnlich kreativ bist mit Deinen Ausreden. Das können übrigens auch ganz banale Sachen sein, wie jemanden anzurufen. Einfach Dinge, die wir gerne vor uns herschieben, weil sie erst einmal ein wenig unangenehm sind bzw. uns ein wenig herausfordern.

Wie Du das nächste Mal „Ja“ sagst

Phase 4: Was Du tun kannst, um „Ja“ zu sagen. 

Diese Methoden sind einfach und banal und Du hast sie bestimmt schon einmal gehört. Dennoch sind sie sehr wirkungsvoll, wenn Du sie richtig einsetzt bzw. Dir bewusst machst. Mir geht es gar nicht darum, Dir eine „Wundertechnik“ zu geben. Ich habe vielmehr gemerkt, dass es meinen Workshop-Teilnehmern ungemein hilft, wenn sie sich die Situation bewusst machen.

a) Worst-Case-Szenario – Was kann schlimmstenfalls passieren?

Du sprichst die hübsche Lady an. Sie hat tatsächlich einen Freund – oder kein Interesse.

Na und!? Jetzt weißt Du zumindest Bescheid. (Genauso gut kann es Dir passieren, dass Du die junge Dame zwar attraktiv findest, aber sobald sie den Mund aufmacht am liebsten davonlaufen willst. Ist mir auch schon passiert.)

Du bekommst die Möglichkeit, Deinem Chef die Idee vorzustellen. Der findet sie aber nicht besonders gut. Dennoch bedankt er sich für Dein Engagement.

Na immerhin. Es kann ja auch nicht immer alles direkt funktionieren. Jedenfalls hat Dein Chef Dich jetzt auf dem Schirm. Egal was es ist, es ist immer gut auf sich aufmerksam zu machen. Und falls Dein Chef sich gar keine Zeit für Dich nimmt, dann weißt Du, dass Du nicht im richtigen Unternehmen bist.

b) Best-Case-Szenario – Was kann bestenfalls passieren?

Die hübsche Lady ist ganz angetan davon, dass Du den Mut hast sie einfach anzusprechen. Das Date ist perfekt und die Lady strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Und Du natürlich auch.

Wow, war das einfach! Herzlichen Glückwunsch!

Dein Chef ist begeistert von Deiner Idee. Er stellt Dir sofort ein Projektteam zusammen, um an der Idee zu arbeiten.

Glückwunsch! So einfach kann der Aufstieg sein.

Es handelt sich hierbei wie gesagt nur um Szenarien. Du überlegst Dir also, was passieren könnte. Das was wirklich passiert, wird oftmals davon abweichen. Das ist aber gar nicht schlimm, denn es geht uns ja nur darum, den Schritt zu machen. Es geht wirklich ums Machen. Hast Du den ersten Schritt mal getan, ergibt sich der Rest meist von ganz allein.

Welche Methode für Dich besser funktioniert, musst Du selbst herausfinden. Ich merke, dass ich mittlerweile mal die eine und mal die andere Methode verwende.

c) „Das habe ich schon mal gemacht“

Eine weitere Methode, die Du verwenden kannst, ist Dich zu fragen, ob Du schon einmal eine ähnliche Situation erfolgreich gemeistert hast. Erinnere Dich zurück an diese Situation und Du wirst  merken, dass Du es auch nochmal tun kannst.

Phase 5: Ziel erreicht!

Egal wie das Ergebnis im Endeffekt ausfällt, kannst Du stolz sein, dass Du Dich getraut hast. Vielleicht erreichst Du sogar den Zustand eines „Social Highs“ und traust Dir dann noch mehr Dinge zu.

Viel Erfolg!

 

Bildquelle: „Image courtesy „Red yes on no background“ by digitalart / FreeDigitalPhotos.net“
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Sandra - 24. Oktober 2013

Danke, Ben, für den ermutigenden Artikel!

Ich habe noch zu ergänzen, dass ich mir immer sage:
Wenn ich nicht frage/nichts sage – wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mein Ziel erreiche? Genau: 0%.

Wenn ich über meinen Schatten springe und frage/was sage habe ich immerhin die Chance von 50%, dass sich mein Wunsch erfüllt und ich z.B. jemanden kennen lerne.

Das hilft mir immer in solchen Situationen. Und natürlich die Erfahrung im Laufe der Jahre, wenn es geklappt hat (und das Selbstbewusstsein immer mehr gewachsen ist….).

Ich bin übrigens doppelt so alt wie Du!

Grüße von Sandra

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