Sich selbst lieben lernen – und alles andere wird egal!

Ich sitze in meinem Zimmer und spiele Computer. Ich bin ziemlich müde, da ich heute Morgen viel zu früh aufgewacht bin.

Eigentlich wollte ich heute noch etwas für mein Business tun, aber ich bin absolut unmotiviert. Beim Spielen fallen mir fast die Augen zu.

Ich fühle ganz stark das schlechte Gewissen in mir, das mir sagen will, dass ich heute anderes vor hatte und noch etwas arbeiten muss. Und auf der anderen Seite fühle ich mich einfach nur müde und ausgepowert.

Das Hin und Her in meinem Kopf macht mich nicht glücklich und ich lege mich für einen Mittagsschlaf ins Bett.

Nach diesem Nickerchen zwinge ich mich an den Schreibtisch und arbeite nochmal konsequent für 2,5 Stunden durch. Danach schalte ich mein Computerspiel wieder an.

Und trotz der getanen Arbeit bin ich unzufrieden mit mir selbst. Ich hatte mir einfach mehr vorgenommen für diesen Tag. Von Liebe zu mir selbst ist nicht viel zu spüren in diesem Moment.

Mit ärgerlichen Gefühlen über mich selbst schlafe ich ein und am nächsten Tag wandle ich diese Erfahrung sofort um. Ich sitze früh morgens am Schreibtisch und arbeite.

Ich bin motiviert und diszipliniert und als ich schon zur Mittagszeit den Großteil der Aufgaben, die ich mir vorgenommen hatte, fertig habe, suhle ich mich in einem Gefühl des Stolzes und der Zufriedenheit. Ich liebe mich selbst!

Warum wir uns selbst nicht lieben

Diese Geschichte stellt exemplarisch dar, wie es mir persönlich geht. Wann liebe ich mich selbst und wann nicht?

Und genau das darfst Du für Dich selbst herausfinden. Dazu gibt es später noch mehr Anhaltspunkte.

Aber wo kommt es eigentlich her, dass viele Menschen Schwierigkeiten damit haben, sich selbst zu lieben?

Es hat eine Menge mit der Kindheit zu tun.

selbstliebeDenn was lernen wir oft in frühen Kindheitstagen?

Die Liebe, Anerkennung und Zuneigung anderer zu gewinnen. Das ist vollkommen normal. Als Baby sind wir auf unsere Eltern angewiesen und wir lernen sehr schnell Verhaltensweisen, um das zu bekommen, was wir brauchen und wollen. Und da gehört die Zuneigung und Liebe nun mal dazu.

Dass wir uns diese auch selbst geben können, darauf stoßen wir oftmals erst später im Leben. Im besten Fall! Häufig auch gar nicht.

Und so leben viele Menschen ein Leben, das nicht nach ihren wahren Wünschen und Bedürfnissen ausgerichtet ist, sondern darauf, anderen Menschen zu gefallen.

Da wird dann ein Beruf ergriffen, der gesellschaftlich anerkannt ist. Und es wird ein Haus gebaut und ein schönes Auto gefahren, das als Symbol für Reichtum gilt.

Nichts gegen das eigene Haus oder ein schönes Auto (jeder, wie er möchte), aber die zugrunde liegende Motivation ist hier entscheidend:

Will ich das Auto, weil ich es wirklich will oder kaufe ich es, um anderen zu gefallen?

Und so geht es mit ganz vielen Dingen.

Der Trick ist also:

„Ein authentisches Leben führen, sich selbst wirklich zu kennen und den eigenen Wünschen eine höhere Priorität zu geben, als den Erwartungen anderer!“

Ich weiß, wie leicht so etwas gesagt und geschrieben ist. Und wie schwer das manchmal in der Realität umzusetzen ist. Aber genau deswegen bist Du ja hier.

Wie geht das nun jetzt aber mit der Selbstliebe?

Fangen wir dazu auf der anderen Seite an:

Die größten Feinde der Selbstliebe

Ich habe es ja gerade schon angerissen: Es gibt Dinge und Verhaltensweisen, die unserer Liebe zu uns selbst im Weg stehen können.

1. Die Meinung anderer wichtiger zu nehmen, als die eigene Meinung

Es geht nichts über den Ratschlag eines Mentors oder guten Freundes. Und es ist auch nichts dabei, sich Hilfe zu suchen, wenn man bei einer Sache nicht weiter weiß.

Aber es kann das eigene Selbstwertgefühl sehr schaden, wenn man nur darauf achtet, was andere Menschen über einen denken und wenn man sein gesamtes Handeln und Denken von der Meinung anderer abhängig macht.

Wenn man das Selbstvertrauen für ein eigenständiges Leben noch nicht entwickelt hat, dann besteht die Gefahr, dass man sich zu sehr an anderen Menschen orientiert und diese maßgeblich sein eigenes Leben bestimmen lässt.

Das führt allerdings nicht zu Selbstliebe, denn man beschäftigt sich damit, anderen zu gefallen, anstatt bei sich selbst nach dem Glück zu suchen.

2. Perfektionismus

Wenn man von sich selbst erwartet, die Dinge immer perfekt tun zu müssen, dann kann man seinen eigenen Ansprüchen kaum genügen und dann wird es schwer, sich selbst so zu lieben wie man ist.

Ich halte es für sehr sinnvoll, sich mit den Dingen, die man im Leben tut, Mühe zu geben und aufs Detail zu achten.

Aber das hat eindeutig seine Grenzen. Zu lernen, wo der Übergang zum unerreichbaren Perfektionismus besteht, ist die Aufgabe desjenigen, der lernen will, sich selbst zu lieben.

3. Faulheit

Das habe ich oben in der Geschichte ja schon zum Besten gegeben: Faulheit kann ein großer „Selbstliebekiller“ sein.

Denn wenn ich viele schöne Dinge im Kopf habe, die ich gerne umsetzen und erreichen möchte, aber einfach nicht ins Handeln komme, dann stehe ich mir selbst im Weg.

Und sich in solchen Momenten selbst zu lieben, fällt mir persönlich sehr schwer.

Auch hier gilt wieder: Nichts gegen eine Auszeit. Wie immer macht es die Ausgeglichenheit. Nicht zu viel und nicht zu wenig.

Lerne, genau in dem Maße zu arbeiten, wie es Dir gut tut.

4. Zu hohe Erwartungen

Wenn man von sich selbst Dinge erwartet, die man einfach nicht schaffen kann, dann braucht man sich nicht wundern, wenn man mit sich selbst unzufrieden ist.

Manche sind faul und haben deswegen ein schlechtes Gewissen und andere arbeiten hart, können aber ihr Ideal niemals erreichen, weil es einfach viel zu hoch gesteckt ist.

Nichts gegen große Ziele. Im Gegenteil: unbedingt große Ziele. Aber dabei nicht vergessen, sich die Zeit zu geben, die es braucht.

5. Ein negatives Selbstbild

SelbsthassWie denkst Du über Dich selbst?

Was hältst Du von Dir als Mensch?

Würdest Du gerne mit Dir befreundet sein?

Wenn nicht, dann empfehle ich Dir, an Deinem Selbstbild zu arbeiten. Denn mit einem negativen Selbstbild wird das nichts mit der Selbstliebe.

Lerne, Dich selbst wertzuschätzen, konzentriere Dich auf Deine positiven Seiten und setze Dich bewusst damit auseinander, was gut an Dir ist. Fördere Deine Stärken und sei gut zu Dir selbst!

6. Selbst keine Liebe sein

Wenn ich in gewissen Kreisen unterwegs bin, dann höre ich die Leute um mich herum sehr viel Lästern über andere Menschen.

Da wird sich beschwert, wie bescheuert Arbeitskollegin XY und wie dämlich und unstrukturiert der Chef ist usw.

Wie willst Du Liebe sein, wenn Du Hass schürst?

Wie willst Du Dich selbst lieben, wenn Du gerade in Gedanken nach Dingen suchst, die Du bei anderen Menschen nicht magst?

In diesem Moment bist Du sicherlich nicht in einem Gefühl der Liebe!

Sich selbst lieben lernen

Ich bin jetzt mal ganz ehrlich:

Warum habe ich überhaupt „die Feinde der Selbstliebe“ hier aufgeführt?

Ganz einfach: Weil Du das lesen willst!

OK, vielleicht nicht gerade Du, aber sehr viele Menschen. Viele Leser sprechen erst mal auf das Negative an. Sie suchen nach der Sensation, den schlechten Nachrichten, den Problemen und den Gründen, warum es ihnen oder der Welt so schlecht geht.

Genau wie in der Zeitung oder im Fernsehen.

Wenn Du Dich jetzt ertappt fühlst, dann überlege Dir gut, wie Du Dein Leben wirklich leben willst. Und wenn Du Dich selbst lieben willst, dann lege den Fokus auf Negativität ab und suche nach Liebe und Positivität.

Sie ist bereits da. Es liegt nur bei Dir, sie zu sehen und in Dein Leben zu lassen.

Und mit den folgenden Tipps fällt es Dir noch ein bisschen leichter:

1. Bringe Erwartung und Realität in Einklang

Wenn ein Mensch 120 Kilo wiegt, keinen Job hat, den ganzen Tag vor dem Fernseher auf Couch liegt und Chips ist und zeitgleich gerne sportlich wäre, einen Job, der ihn erfüllt hätte, reich wäre und 80 Kilo wiegen würde, dann liegt da doch eine recht große Lücke dazwischen.

Man kann nicht erwarten, so ein Ziel bei so einer Ausgangsposition in 2 Wochen zu erreichen. Und doch tun das sehr viele Menschen.

Natürlich nicht in so extremen Maße, wie hier überspitzt beschrieben, aber sie tun es dennoch. Oft unbewusst.

Deswegen gilt für Dich: Habe Ziele, aber gib Dir die Zeit, die Du brauchst, um diese zu erreichen. Fang dort an, wo Du stehst und arbeite Dich vorwärts.

Nimm Dich so an, wie Du bist.

Und dann mache Dir ein klares Bild von dem, was Du willst und arbeite Dich darauf zu.

Wie immer gilt: Kontinuität ist wichtiger als kurzfristiger Übereifer.

Ändere Deine Gewohnheiten nach und nach.

2. Lerne, Schritt für Schritt gut zu Dir selbst zu sein

Dasselbe gilt für die Gedanken, die Du über Dich selbst hast. Lerne, gut zu Dir selbst zu sein. Verzeihe Dir, wenn es Dir mal nicht so gut geht.

Liebe Dich, auch wenn nicht alles perfekt ist.

Du bist ein einzigartiger Mensch. Lerne das zu schätzen. Wie ich bereits gesagt habe: Konzentriere Dich auf Deine Ziele und stärken.

Rede im Kopf positiv zu Dir und über Dich selbst. Erkenne kleine Erfolge an und sei dankbar für das, was Du hast.

Übe das am besten bewusst täglich. Dabei kann Dir ein Tagebuch helfen oder die tägliche Meditation.

3. Höre auf Deine Bedürfnisse

Finde heraus, was Du wirklich willst.

Nicht das, was Deine Eltern wollen. Nicht das, was Dein Partner/ Deine Partnerin will. Nicht das, was Deine Freunde wollen. Nicht das, was die Gesellschaft will.

Sondern das, was Dich erfüllt und Dich glücklich macht.

Keiner sagt, dass das ein schneller und einfacher Weg ist. Aber es ist der Weg, der Dich glücklich macht und Dir zu mehr Selbstliebe verhilft.

Dazu eine Inspiration von mir. So kannst Du die ganze Sache angehen:

www.stephanwiessler.de/was-will-ich

Und zum Abschluss noch ein kleines Video von meinem Freund und Kollegen Tim. Auch er hat sich mit der Liebe zu sich selbst viel beschäftigt und kann Dir noch den einen oder anderen Ratschlag geben.

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Sabine Weiss - 23. April 2015

lieber stephan,

wahre worte. bei der faulheit bin ich kurz drüber gestolpert. mir gings genau umgekehrt. ich durfte (selbstauferlegt) jahrelang nicht „faul“ sein, nicht einfach mal auf der couch liegen und nichts tun. oder eben blöd computerspielen, internetsurfen usw – weil immer eine innere stimme gesagt hat, ich muss an dem tag mehr schaffen.

ganz ehrlich – dein eingangsbeispiel erinnert mich stark an mein eigenes erleben. heute bin ich soweit dass ich relativ rasch erkenne: heut geht einfach nix. nix! wozu soll ich mich dann zwingen, was zu tun?
und dann kann ich mich voller selbstliebe auf die couch fläzen und den schweinehund kraulen 😉
liebe grüße!
sabine

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    mail@stephanwiessler.de - 23. April 2015

    Genau darum geht es, Sabine. Sich Auszeiten gönnen, aber nicht nur 🙂 Die Mischung machts…

    Reply
Anja - 24. April 2015

Ohja, das mit der Faulheit kommt mir auch allzu bekannt vor und passiert mir vor allem dann, wenn ich mit am Tag zuvor sehr viel vornehme. Inzwischen lasse ich meine „To Do Liste“ diesbezüglich sehr flexibel und erlaube mir einfach auch mal faul zu sein.
LG

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Sarah - 24. April 2015

„Habe Ziele, aber gib Dir die Zeit, die Du brauchst, um diese zu erreichen. Fang dort an, wo Du stehst und arbeite Dich vorwärts.“

Sich Zeit zu geben und Geduld zu haben für seine Ziele ist wahnsinnig schwer, vor allem in der Hektik, in der wir uns alltäglich bewegen. So geht es mir zumindest immer. Ich gebe oft zu schnell auf bei Dingen, die ich mir vornehme, weil ich mir nicht genügend Zeit gebe – und dann bin ich enttäuscht von mir, was dann irgendwie auch in zumindest so einer Art Selbsthass endet (auch wenn ich diesen Begriff gerade als zu stark empfinde eigentlich, mir fällt aber kein anderer ein)

Dein Post regt zum Nachdenken und zur Selbstreflektion an – was ich sehr gut finde. 🙂

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Liebe dich selbst – wie du Selbstliebe lernen kannst | Into Sense - 28. März 2018

[…] Wiessler beschreibt in seinem Artikel „Sich selbst lieben lernen – und alles andere wird egal“ ganz ausführlich warum es uns so schwer fällt uns selbst zu lieben. Schaue hier auf jeden Fall […]

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