Wie sich das Selbstwertgefühl auf Beziehungen auswirkt

Zwei Studien von Benjamin R. Karney, University of California (Los Angeles) und Lisa A. Neff, University of Texas (Austin) hat erforscht, wie sich negative Erlebnisse in Beziehungen auf die gesamte Beziehung auswirken. Und durch welche Einflüsse dieser Zusammenhang bestärkt wird.

1. Das Ziel der Studien

SelbstwertDas Forscherduo wollte ermitteln, wie sich kleine Alltagssituationen auf das gesamte Empfinden der Beziehung auswirken.

Wie nimmt ein Partner beispielsweise einen Streit wahr? Wird durch diesen Streit gleich die gesamte Beziehung in Frage gestellt?

Ziel der Studien waren also 2 Punkte:

– Wie wirken sich alltägliche negative Erfahrungen auf die gesamte Beziehung aus?

– Welche Faktoren beeinflussen diesen Zusammenhang?

2. Der Versuchsaufbau

Bei den Studien handelt es sich um längsschnittliche Studien (mehrere Messzeitpunkte über einen bestimmten Zeitraum).

In der ersten Studie wurden dazu 146 Paare in den ersten 6 Monaten ihrer Ehe befragt. Zwei Faktoren lagen dabei im Vordergrund:

– der tägliche Stress, der nicht direkt mit der Beziehung zu tun hat (z. B. von der Arbeit)

– Persönlichkeitsmerkmale (z. B. das Selbstwertgefühl)

Anschließend wurden die Paare sieben Abende am Stück nach ihrer allgemeinen Zufriedenheit mit der Ehe und zu einzelnen Faktoren der Ehe des jeweiligen Tages befragt.

Fragen zur allgemeinen Zufriedenheit waren beispielsweise, wie zufrieden die Partner jeweils an diesem Tag mit der Ehe waren.

Und zu einzelnen Faktoren wurde z. B. gefragt, wie zuverlässig oder zärtlich der Partner an diesem Tag war.

Die zweite Studie hatte einen ähnlichen Versuchsaufbau, allerdings über einen Zeitraum von vier Jahren.

3. Das Ergebnis der Studien

Die Studien zeigen, dass das Selbstwertgefühl bei Frauen (nicht bei Männern) einen entscheidenden Einfluss auf den Zusammenhang zwischen allgemeiner Ehezufriedenheit und kleinen negativen Faktoren des Alltags hat.

Das bedeutet, dass Frauen mit einem geringeren Selbstwertgefühl bei Streitigkeiten im Alltag eher die gesamte Beziehung in Frage stellen.

Der zweite Faktor (Stress von z. B. der Arbeit) hatte wiederum auf beide Partner (Mann und Frau) Auswirkungen. Wer also Stress hatte, der nicht aus der Beziehung kam, stellte bei täglichen Schwierigkeiten in der Beziehung auch eher die gesamte Beziehung in Frage.

 

Quelle: Neff, L.A., & Karney, B. R. (2009). Stress and reactivity to daily relationship experiences: How stress hinders adaptive processes in marriage. Journal of Personality and Social Psychology, 97 (3), 435–450.