Persönlichkeitsentwicklung – ein Leitfaden

Dieser Artikel erklärt die Idee der Persönlichkeitsentwicklung anhand der vier Stufen der Kompetenzentwicklung.

Bevor es richtig spannend wird (und das wird es), kurz eine Erläuterung über diese vier Stufen:

Das Konzept der Kompetenzstufenentwicklung unterteilt den menschlichen Lernprozess in vier Stufen. Das bedeutet, dass ein Mensch, wenn er etwas lernt, die folgenden vier Stufen durchschreitet:

1. Unbewusste Inkompetenz

Er hat ein Defizit und weiß dies aber nicht. Beispielsweise ein Kleinkind, das noch nicht realisiert hat, dass es kein Fahrrad fahren kann (weil es vielleicht noch nie eines gesehen hat).

2. Bewusste Inkompetenz

Es kann der Punkt kommen, an dem dieser Mensch dann realisiert, dass er etwas nicht kann. Damit kann er es zwar immer noch nicht, aber er weiß es schon mal.

In unserem Beispiel: Das Kleinkind wird älter, sieht immer häufiger Radfahrer und wird sich irgendwann bewusst darüber, dass es ein Fahrrad nicht fahren kann.

3. Bewusste Kompetenz

Die Person fängt an, bewusst an ihrem Verhalten etwas zu verändern. Noch ist es mit Mühen und Anstrengung verbunden das neue Verhalten zu erlernen.

So auch beim Fahrradfahren. Das Kind übt und übt und fällt immer wieder hin oder braucht Stützräder. Es ist mit Aufwand verbunden, Fahrrad zu fahren.

4. Unbewusste Kompetenz

Das ehemals Neue ist in Fleisch und Blut übergegangen. Der Mensch hat das Neugelernte internalisiert und wendet es routiniert und ohne Nachdenken an.

Das Kind steigt irgendwann aufs Fahrrad und fährt einfach. Ohne darüber nachzudenken. Es ist einfach normal geworden.

Die Kompetenzstufen der Persönlichkeitsentwicklung

Wenden wir dieses Modell auf die Persönlichkeitsentwicklung an. Das wird Dir persönlich helfen, herauszufinden, wo Du stehst und was noch zu tun ist.

Bevor wir aber loslegen: Wozu überhaupt die Persönlichkeit entwickeln?

Nach meiner Erfahrung geht es am Ende nur um eins: glücklich sein.

Das ist Sinn und Zweck der Persönlichkeitsentwicklung.

Und ich habe es nicht nur bei mir, sondern in meinem ganzen Umfeld mitbekommen: Wer sich mit der Entwicklung seiner Persönlichkeit beschäftigt, wirkt auf mich glücklicher.

Das ist quasi das Ziel hinter dem Ziel. Aber Persönlichkeitsentwicklung hat noch zahlreiche weitere Vorteile (die eben zum persönlichen Glück beitragen).

Es sind die Entwicklung des Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens, die Selbstbestimmung, die Erfolgserlebnisse, Freiheit, die Selbstwirksamkeit, die Steigerung der eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten, eine höhere Flexibilität, ein abenteuerliches Leben, mehr Gemeinschaft, mehr Authentizität, die Entdeckung der Vielfältigkeit des Lebens, mehr Sinn für das Wohl der Gemeinschaft, das Verständnis für das eigene Selbst und das Loslassen und die Überwindung von Ängsten.

Das ist auf jeden Fall meine Ansicht (und das klingt doch verlockend, nicht wahr?).

Aber wie geht das jetzt mit der Persönlichkeitsentwicklung?

Ich stelle die einzelnen Punkte bewusst etwas überspitzt dar, damit Du es leichter hast, Dich wieder zu erkennen.

Natürlich ist das nicht auf jeden Menschen übertragbar. Ich kenne Menschen, die noch nie etwas von Persönlichkeitsentwicklung gehört haben und weitaus entwickelter und ausgeglichener wirken, als so mancher, der sich schon seit Jahren damit beschäftigt.

1. Anfang (unbewusste Inkompetenz)

AnfangIn dieser Phase befindet sich wohl der Großteil der Menschheit. Die Mitläufer. Die „nicht-bewusst-Entscheider“. Die, die nicht an ihre Selbstwirksamkeit glauben und denken, dass das Leben nun mal so ist, wie es ist.

Die, die denken, dass sie es nicht selbst in der Hand hätten und unreflektiert den Vorgaben von Gesellschaft und Eltern hinterherlaufen (ohne es zu merken).

Die, die sich ihrer Werte nicht bewusst sind und diese einfach übernommen haben, ohne sich die ganze Bandbreite der Möglichkeiten angesehen zu haben.

Diejenigen, die an dem Ort sterben, an dem sie geboren wurden und ihn auch nur für den jährlichen Urlaub auf Mallorca verlassen.

Diejenigen, die nicht wissen, dass sie alles werden könnten, wenn sie nur wollten. Die die Welt verändern könnten. Die einen Unterschied machen könnten.

Die Bildzeitung lesen und Fernsehen schauen und sich am nächsten Tag mit den Arbeitskollegen über das Dschungelcamp und Germanys next Top Model unterhalten. Die sich über die Dämlichkeit der Darsteller lustig machen und dabei gar nicht merken, dass sie eigentlich die Dämlichen sind.

Es sind die, die nicht wissen, dass sie Firmen gründen könnten, Wettkämpfe gewinnen oder Bundeskanzler werden könnten. Sie wissen nicht, dass sie es könnten, sondern denken, dass das wohl andere machen müssen. Ach nein, sie denken nicht mal darüber nach. Es ist einfach außerhalb ihrer Möglichkeiten.

So, genug hergezogen.

Ich denke es ist deutlich geworden, was ich wohl meine.

Um es noch mal ordentlich zusammenfassen, hier typische Symptome der unbewussten Inkompetenz der Persönlichkeitsentwicklung:

– Fehlendes Wissen über die eigene Selbstwirksamkeit

– Keine bewusst gesetzten Ziele

– Keine freien Entscheidungen

– Starke Abhängigkeit von anderen

– Eine wenig ausgeprägte Selbstreflektion

– Denken, dass man so ist, wie man ist und dass man daran nichts ändern kann

– Schuld woanders suchen

– Niedriges Selbstbewusstsein

– Versinken im Alltagstrott

– Leben ein Leben, dass sie nicht erfüllt, sondern „das halt so sein muss“

2. Erkenntnis (bewusste Inkompetenz)

ErkenntnisUnd so manch einer schafft den Ausbruch aus den Denkmustern, die er als Kind eingetrichtert bekommen hat. Häufig geht das mit einer starken Unzufriedenheit einher. Und diese Unzufriedenheit gibt dann Anlass zu handeln.

Irgendwie gibt es dann einen Auslöser, der diese Menschen dazu anregt, mehr zu erfahren. Vielleicht ist es die Suche im Internet, oder ein Buch, das sie gelesen haben, die Geschichte eines Freundes oder einfach der Sozialabgleich in der Gesellschaft.

Auf jeden Fall werden sie neugierig und entdecken, dass sie kein Selbstbewusstsein haben oder etwas an sich ändern möchten oder merken, dass sie einfach mehr vom Leben haben möchten als bisher.

Sie entdecken dann Möglichkeiten, wie sie ihr Leben ändern könnten. Was sie alles machen könnten und erlangen das Wissen darüber, was sie bisher nicht können oder nicht haben.

Und genau so fangen sie an zu verstehen, dass sie es allein in der Hand haben. In dieser Phase sind sie zwar noch in der Theorie, lesen viel, denken viel nach und fokussieren sich darauf, was sie alles noch nicht können, aber sie erkennen auch, dass sie die Macht über ihr Leben haben.

Hier sind typische Symptome:

– Bewusstwerdung über die eigenen Defizite

– Starke Selbstreflektion

– Viel Aneignung von theoretischem Wissen

– Erste bewusste Zielsetzung

– Erkenntnis, dass man das Leben selbst in der Hand hat

– Loslösung von der Meinung der Eltern/Gesellschaft

– Starke Motivation etwas zu ändern

– Entwicklung erster Ideen

3. Training (bewusste Kompetenz)

TrainingIn Phase drei geht es dann ans Üben, Üben, Üben. Es geht ans Machen und Umsetzen. Ans Überzeigt sein und an ein noch stärkeres Interesse an Persönlichkeitsentwicklung.

Es geht um erste konkrete Umsetzungen und das Annehmen von Herausforderungen. Der Freundeskreis kann sich ändern und es rücken mehr Menschen mit demselben Interesse in den Mittelpunkt.

Vielleicht steht sogar die Trennung vom Partner oder die Kündigung an.

Es steigt die Wahrnehmung dafür, dass man selbst ständig dabei bleiben muss und dauerhaft für sich und die eigene Entwicklung verantwortlich ist.

Große Umsetzungsqualitäten entstehen und eine starke Motivation zur Veränderung ist vorhanden. Es mehren sich so langsam die Erfolgserlebnisse.

Symptome:

– Fokussierung aufs Machen

– Vermehrtes Annehmen von Herausforderungen

– Steigendes Selbstbewusstsein

– Sammeln von Erfolgserlebnissen

– Überwindung von Rückschlägen

– Bewusstes Ziele setzen

– Entwicklung von Ehrgeiz und Disziplin

– Entdeckung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse

4. Leben (unbewusste Kompetenz)

LebenNach der „Sturm und Drang“ – Phase wird es wieder etwas ruhiger. Aber nicht im Leben, sondern im Kopf. Der wird klarer. Der Horizont ist erweitert.

Das Suchen und Annehmen von Herausforderungen wird normal. Man fängt an zu ernten, was man zuvor gesät hat. Die Erfolgserlebnisse werden mehr und man befindet sich auf einer Aufwärtsspirale.

Man hat verstanden, dass es um lebenslanges Lernen geht und ist bereit dafür auch etwas zu tun.

Das Denken hat sich klar geändert und unbewusst nutzt man sein Gehirn ständig zu seinem Vorteil und sucht das Positive.

Diese Phase zeichnet sich durch folgende Symptome aus:

– Zeit der Ernte und ständigem neuen Säen

– Ruhe und Klarheit

– Vorteilhafte Nutzung des Gehirns

– Klare Zielfokussierung

– Erweiterter Horizont

– Klares Erkennen und Verfolgen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse

– Starkes Selbstbewusstsein

– Bewusstsein über lebenslanges Lernen

– Das klare Ziel eine gute Zeit für sich selbst und seine Umgebung zu schaffen

Wo findest Du Dich wieder?

Tust Du das überhaupt? Hast Du Dich an einer Stelle (oder sogar mehreren Stellen) wiedererkannt?

Wenn ja, dann weißt Du ja jetzt, wie es weiter geht.

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar und beschreibe, in welcher Phase Du Dich gerade befindest und gerne, wo Du noch hin willst.

Hier klicken zum Kommentieren 3 Kommentare
Birgit - 2. Juli 2015

Lieber Stephan,

das find ich klasse auf den Punkt gebracht. Ich werde mir den Beitrag gleich mal ausdrucken und einem Freund geben, mit dem ich über diesen Themenbereich im Gespräch bin.

Vielen Dank für Deine klare Gliederung und Deinen Mut zu direkten Worten.

Liebe Grüße aus dem Norden,
Birgit

Antworten
    mail@stephanwiessler.de - 2. Juli 2015

    Sehr gerne, Birgit. Freut mich, dass er Dir so gut gefällt!

    Antworten
Manuel Stutzki - 9. November 2015

Hallo Stephan,

Danke für deinen Artikel, einer super Zusammenfassung. Der Vergleich mit dem Fahrradfahren-Lernen ist sehr einleuchtend.

Die eigenen Gedanken zu verändern und damit dann das Verhalten, ist als ob man in einem Wald den breiten, eingetretenen Wanderweg verlässt und sich einen neuen Weg mitten durchs Unterholz schlägt. Auf eingetretenen Pfaden läuft es sich bekanntlich am leichtesten. Wenn die Motivation nicht stark genug ist, wird man früher oder später auf den gemütlichen, breitgetretenen Wanderweg zurückkehren.

Du schreibst, dass sich der Großteil der Menschheit auf der ersten Stufe befindet. Ich denke, dass bei einem Großteil auch die Erkenntnis vorhanden ist, jedoch ohne Taten folgen zu lassen, bzw. sich bewusster mit Veränderungsmöglichkeiten auseinander zu setzten. Vielmehr lässt man ein Leben lang sich und andere unter der eigenen Unzufriedenheit leiden, aber schon in dem Bewusstsein, dass man selbst etwas ändern müsste, ohne dies jedoch jemals zu tun.

Ich denke, ich selbst befinde mich auf Stufe zwei und mir fällt der dauerhafte Sprung zu Stufe drei schwer, abgesehen von immer wiederkehrenden kurzzeitigen Motivationsschüben. Ich will unbedingt Stufe drei bei mir etablieren, aber anscheinend ist es momentan noch zu verlockend, in meinem Konsumverhalten zu bleiben und lieber noch den zeitweiligen Schmerz der Scham, Schuld und mangelndem Selbstbewusstseins zu ertragen als die Schmerzen, Ängste und Anstrengungen, die mit Veränderungen natürlich einhergehen.

Viele Grüße und danke nochmal für deine Anregungen. Ich finde deinen Block und was du schreibst sehr authentisch!

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