Warum Du negative Gedanken hast (und wie Du sie los wirst)

Das Eintauchen in eine Gedankenschleife von immer wiederkehrenden negativen Gedanken, die sich nicht gut anfühlen, kann sehr belastend sein.

In diesen Momenten hat man das Gefühl, einfach nicht vorwärts zu kommen. Unser Gehirn sucht nach einer Lösung für ein Problem (das es vielleicht nicht mal gibt) und wird einfach nicht fündig. Oft liegt es daran, dass es keine eindeutige Lösung gibt.

So kann man sich z. B. nach dem Treffen mit anderen Menschen fragen, ob man sich denn richtig verhalten habe und wie man wohl bei den anderen angekommen sei.

Aber man kann sich diese Frage nicht selbst beantworten und so drehen sich die Gedanken immer weiter im Kreis und verursachen die Angst, vielleicht kein gutes oder souveränes Bild abgegeben zu haben.

Warum wir negative Gedanken haben

Solche oder ähnlich Situationen gibt es sehr häufig.

Aber wo kommen diese Muster eigentlich her?

1. Deine Programmierung

Es kann sein, dass Du Muster in Deinem Kopf hast, die gar nicht von Dir kommen. Ich habe schon oft bei Menschen beobachtet, dass sie Meinungen und Gedanken hatten (oft negative), von denen sie zu 100 % überzeugt waren.

Im Kreis drehenUnd sie habe diese nicht als eine Möglichkeit gesehen, sondern als die einzige Wahrheit.

Das ist gefährlich, denn dann lässt Du keine anderen Wahrheiten zu. Wenn Du unreflektiert den Gedanken, der da in Deinem Kopf ist, als einzige Wahrheit und Realität annimmst, dann bist Du nicht offen für andere Möglichkeiten. Und so kannst Du ein Problem gar nicht lösen. Schließlich erlaubst Du Dir selbst nicht, andere Gedanken zuzulassen.

Und dann ist die Gefahr groß, Dich immer weiter in diesen negativen Gedanken hinein zu steigern. Du hast dann schon eine negative Grundannahme, auf die alles Weitere aufbaut.

Und diese Grundannahme könnte vielleicht gar nicht von Dir kommen. Vielleicht ist es ein Gedanke, den Deine Eltern Dir immer vorgesagt haben. Und so hast Du ihn einfach übernommen, ohne ihn jemals zu hinterfragen.

Werde Dir über eines klar: Du bist nicht Deine Gedanken! Deine Gedanken sind nicht die Realität.

Wie Du das ändern kannst, erfährst Du weiter unten.

2. Mangelnde Reflektion

Wie ich gerade schon angedeutet habe: Viele Menschen reflektieren nicht über ihre Gedanken. Und so steigern sie sich in etwas hinein und identifizieren sich dann damit.

Sie denken dann unbewusst, dass sie einfach so sind. Oder dass der Gedanke die Wahrheit ist ohne darüber nachzudenken, ob es wirklich stimmt.

Wenn jemand beispielsweise etwas Dummes gesagt hat und dafür ausgelacht wurde, kann er sich dieses viel zu sehr zu Herzen nehmen. Er denkt dann vielleicht (aufgrund vergangener Erfahrungen), dass er unbeliebt sei, weil ihn alle auslachen.

Vielleicht ist es aber auch einfach nur so, dass die anderen es amüsant fanden, aber gar nichts gegen die Person an sich haben.

Da können uns unsere eigenen Gedanken einen Streich spielen. Und so wird sie Situation völlig überbewertet.

3. Welchen Nutzen hast Du von den negativen Gedanken?

Wer will sich schon negative Gedanken machen und schlecht fühlen?

So etwas tun Menschen. Auch wenn es auf den ersten Blick vollkommen unlogisch erscheinen mag, erhoffen sich manche Menschen unbewusst einen Nutzen daraus.

Wenn jemand beispielsweise in Selbstmitleid badet, dann kann es sein, dass er unbewusst gelernt hat, dass er dann Trost und Zuneigung von anderen bekommt. Dann taucht er immer wieder in das Selbstmitleid ein, denkt negativ über sich, ist trübselig und bekommt aber dann seine „Belohnung“ in Form von Aufmerksamkeit.

Frage Dich also immer: Welchen Nutzen habe ich von den negativen Gedanken?

Steckt da vielleicht mehr dahinter?

4. Lernen und Lösungen

Unserem Gehirn geht es beim Nachdenken um dazulernen und Lösungen zu finden. Die Grundintention ist also eine positive.

Vielleicht ist es Dir schon passiert, dass Du negative Gedanken hattest und damit auch nicht aufhören wolltest, weil Du unbedingt eine Lösung finden wolltest!

Leider kann das zu einem großen Problem werden. Nämlich dann, wenn es gar keine richtige Lösung gibt oder wenn es gar nicht notwendig ist, eine Lösung zu finden.

Stell Dir vor, Du stehst vor einer schwierigen Entscheidungssituation. Und Du weißt einfach nicht, für was Du Dich entscheiden sollst.

Ist es da nicht einfacher, lieber im Gedankenkarussell zu verharren, als eine Entscheidung zu treffen?

Viele Menschen möchten genau das vermeiden: eine Entscheidung treffen zu müssen!

Sie hoffen lieber darauf, dass durch das Weiterdenken die richtige Entscheidung einfach so in ihrem Gehirn „aufploppt“.

Leider ist das aber der falsche Weg. Denn es gibt kein richtig und falsch. Es gibt immer nur das, wofür man sich entscheidet. Und man wird nie wissen, was passiert wäre, wenn man sich anders entschieden hätte.

Wie Du negative Gedanken los wirst

Der erste Teil dieses Artikels (nämlich das Warum) ist auch schon der erste Teil der Lösung! Denn schon durch die Erkenntnis und das Verständnis für Dein eigenes Verhalten, hast Du schon die Voraussetzung geschaffen, das Problem zu lösen (und negative Gedanken loszulassen).

Was heißt das jetzt konkret?

1. Erkenne Deine Gründe und Dein Verhalten

Ich habe es weiter oben bereits geschrieben: Ganz wichtig ist, dass Du Dir über Dein eigenes Verhalten bewusst wirst.

ErkenneVerstehe, in welchen Momenten Du in die negativen Gedanken eintauchst und warum Du das tust!

Wenn Dir das wieder passiert, dann stelle Dir selbst die Frage:

Warum tue ich das jetzt?

Welchen Nutzen habe ich davon?

Was versuche ich zu erreichen?

Schon durch diese Bewusstwerdung der Situation wird es Dir leichter fallen, Abstand zu Deinen eigenen Gedanken zu nehmen und Dich emotional von ihnen zu lösen.

So kannst Du verstehen, dass Du nicht automatisch Deine Gedanken bist und Dich nicht mit ihnen identifizieren musst.

Du kannst verstehen, dass Du selbst die Wahl hast, wer Du sein willst.

2. Triff eine Entscheidung

Und genau deswegen darfst Du lernen, eine Entscheidung zu treffen.

Oft ist es so, dass wir im Gedankenkarussell bleiben, weil wir das Gefühl haben, erst damit aufhören zu können, wenn wir eine Lösung gefunden haben.

Nehmen wir das obige Beispiel: Du hast im Laufe des Tages etwas Dummes gesagt und liegst dann abends im Bett und überlegst, wie Du wohl bei den anderen angekommen sein magst. Je mehr Du darüber nachdenkst, desto mehr wird Dir klar, dass Du wohl einen echt schlechten Eindruck hinterlassen haben musst (auch wenn das nicht stimmt).

Und genau deswegen denkst Du weiter. Du möchtest nämlich eigentlich gerne eine Lösung, wie Du aus dieser gedanklichen Situation wieder mit einem guten Gefühl heraus kommst. Du möchtest die Situation mit Deinen Gedanken am liebsten ungeschehen machen. Da Dir dies aber nicht gelingt, suchst Du immer weiter nach Lösungen und gerätst so immer tiefer in den Strudel der negativen Gedanken.

Entscheide Dich bewusst dafür, diese Situation jetzt abzuhaken. Überlege Dir, was Du das nächste Mal besser machen kannst und schließe dann mit der Situation ab.

Es ist eine Übungssache, Entscheidungen zu treffen und diese Momente sind eine gute Gelegenheit dazu. Entscheide Dich dazu, die Gedanken loszulassen, das Geschehene anzunehmen und lieber über etwas Schönes nachzudenken.

3. Stärke Dein Selbst

Das Nachdenken über solche Situationen und die negativen Gedanken lassen automatisch nach, wenn Du Dein Selbstvertrauen und Dein Selbstbewusstsein stärkst.

Denn wenn Du eine eigene innere Stärke entwickelt hast, dann machen Dir viele Situationen nicht mehr viel aus. Du kannst Rückschlage leichter wegstecken und gibst einzelnen Geschehnissen in Deinem Leben nicht mehr so viel Gewicht.

Du bist insgesamt entspannter und gelassener und es fällt Dir leichter, Dir positive Gedanken zu machen und Dich insgesamt besser zu fühlen.

Für mehr Selbstvertrauen habe ich ein Buch geschrieben. Schau es Dir hier in Ruhe an: Maximales Selbstvertrauen

4. Verstehe, dass es viele Realitäten gibt

Wenn Du Dich das nächste Mal in negativen Gedanken wiederfindest, dann mache Dir bewusst, dass Deine Gedanken nicht die vollkommene Wahrheit sind.

Versuche Deine Gedanken zu beobachten und Dir selbst klar zu machen, dass Du es selbst in der Hand hast.

Deine Gedanken in diesem Moment sind die nicht die Realität. Sie sind nur eine mögliche Betrachtung und Interpretation der Realität.

Mache Dir bewusst, dass es noch unendlich viele andere Möglichkeiten gibt, die Realität zu betrachten und zu interpretieren.

Dazu gehört auch: Du bist kein Gedankenleser!

Oft stolpern wir in die Falle zu denken, wir wüssten, was andere denken. Das tun wir aber nicht!

Öffne Dich für die Möglichkeit, dass Du nicht alles weißt und dass die Realität und die Gedanken anderer in Wahrheit vielleicht ganz anders aussehen.

5. Ändere Deine Sprache

Deine Sprache spiegelt Deine Gedanken wieder! Und nicht nur das, was Du durch Deinen Mund kommunizierst, sondern auch die Worte, die Du in Deinem Kopf zu Dir selbst sagst.

Wenn Du Dir beispielsweise sagst, dass Du jetzt mit den negativen Gedanken aufhören musst, dann setzt Du Dich selbst ganz schön unter Druck (und das macht es nicht besser).

Überlege Dir mal, Du würdest in Gedanken zu Dir selbst etwas sagen wie:

„Ist schon OK, dass Du gerade diese Gedanken hast. Das ist in Ordnung. Und Du darfst diese auch loslassen, wenn Du soweit bist.“

Achte nicht nur darauf, wie Du zu Dir selbst sprichst und wie Du mit Dir selbst umgehst, sondern auch, wie Du mit anderen Menschen kommunizierst.

Ist Deine Sprache negativ? Redest Du viel über schlechte Dinge? Welche Wörter verwendest Du?

Gewöhne Dir an, positive Dinge zu sagen. Nutze eher sanfte Wörter wie „können“ statt harte Wörter wie „müssen“.

Achte auf Deine Sprache und Du wirst merken, wie Dir das gut tut!

6. Meide Negativität

Schalte den Fernseher aus, schmeiß alle Boulevard-Zeitschriften weg und umgib Dich nicht mit negativen Menschen. Denn das färbt ab. Wenn Du den ganzen Tag nur negative Nachrichten konsumierst, wie willst Du dann positive Gedanken haben?

Ja, es liegt uns Menschen irgendwie in der Natur, uns an Unfällen und Schicksalsschlägen anderer Menschen zu ergötzen. Aber wir können immer noch eine bewusste Entscheidung darüber treffen, was wir uns zu Gemüte führen und was nicht.

Auch wenn die Versuchung manchmal groß ist, über andere Menschen zu lästern und sich das Trennungsdrama einer berühmten Schauspielerin anzuschauen (denn es ist so schön einfach!), rate ich Dir, dass einfach mal zu lassen.

Suche Dir viel lieber positive Nachrichten und umgib Dich mit positiven Menschen. Dann wird es Dir auch leichter fallen, positiv zu denken!

Was Du jetzt tun kannst

Um negative Gedanken loszulassen und Dir dauerhaft selbst gute Gedanken und Gefühle zu machen, darfst Du Dir Zeit geben und die obigen Tipps und Übungen regelmäßig machen und berücksichtigen.

Und wenn Du noch weitere Ratschläge und Tipps haben möchtest, dann hol Dir mein kostenloses Coaching: gratis E-Mail Kurs

Hier klicken zum Kommentieren 7 Kommentare
Renate - 26. Mai 2015

Hi Stefan , auch diesen Artikel habe ich mit Begeisterung gelesen , Gott sei dank bin ich schon soweit dass es mir jedesmal bewusst wird , wenn mir negative Gedanken durch den Kopf gehen ….ich frage mich dann jedesmal : ist es Realität , stimmt das was ich grade denke- ich versuche mich dann innerlich von dem Gedanken zu distanzieren , und ersetzte diesen Gedanken durch ein positiven , soweit es zutrifft ….meistens gelingt es mir . Denn es stimmt wirklich : ändere deine Gedanken und du veränderst damit deine Welt . Gruss , und danke für deine tolle Arbeit !!

Antworten
Chris Gsellmann - 2. September 2015

Hey Stephan,
danke für dein Artikel!

Kennst du Byron Katie und „the work“? 🙂

Best wishes,
Chris von chrisgsellmann.at

Antworten
    mail@stephanwiessler.de - 5. September 2015

    Hi Chris,

    ja, „the work“ ist mir ein Begriff. Damit habe ich auch schon gearbeitet.

    Grüße

    Antworten
Björn - 11. Dezember 2015

Also die ganze Wirklichkeit negieren und seine eigene heile Welt bauen, damit man „positive Gedanken“ aufbauen kann?
Ich glaube mit Ihrem Text verstehe ich mittlerweile, warum Menschen wie Politiker und Wirtschaftsbosse in so einem „antrainierten“ Szenario so weltfremd reagieren und Deutschland zugrunde richten.

Antworten
    mail@stephanwiessler.de - 11. Dezember 2015

    Es geht nicht darum die Wirklichkeit zu verkennen, sondern darum, wie man sich sein Leben gestaltet.
    Wissen alleine nutzt nämlich nichts, wenn man nichts tut!
    Man kann auch mit positiven Gedanken und Gefühlen die Welt verbessern. Das bleibt aber jedem selbst überlassen.

    Antworten
      Björn - 16. Dezember 2015

      Danke für Ihre Antwort.
      Mit dem „Das bleibt jedem selbst überlassen“ verstehe ich, was Sie meinen.

      Trotzdem habe ich die Meinung, dass sich beim „Wegwischen negativ belasteter Themen“ sich falsche Vorstellungen und Urteile entwickeln.

      Die Frage nach mehr Selbstvertrauen und „besserem Optimismus“ ist meiner Meinung, Akzeptanz zu üben und drehenden, sorgenvollen Gedanken ein STOP!-Schild zu zeigen, anstatt sich einfach umzudrehen und sie mit positiven zu übertünchen.
      Also proaktiv auf die zerstörerischen, negativen Gedanken eingehen und ihnen Einhalt gebieten.
      Ein „Du hast keine Macht mehr über mich!“.
      Damit beschäftigt man sich doch mit sich selbst und entdeckt seine Fehler und Macken, die überhaupt zu diesen negativen Gedanken führen.
      Ein „Mit sich arbeiten“ anstatt „Neue Gedanken anwenden“ finde ich persönlich erfolgsversprechender.

      Oder denken Sie in dieser Hinsicht anders?

      Antworten
Hypnose erlernen - 22. April 2017

Super hilfreiche Ideen, die ich direkt in mein Hypnosecoaching aufnehmen werden! Herzlichen Dank für die tolle Arbeit!!!

Antworten

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